Effekt von Transfergesellschaften auf Beschäftigung weder vernachlässigbar noch massiv
„Das ist das erste Mal, dass eine groß angelegte wissenschaftliche Studie eindeutig belegt, welche positiven Wirkungen Transfergesellschaften für Menschen im Stellenabbau haben“, freut sich Frank Müller, Vorsitzender des Bundesverbandes der Träger im Beschäftigtentransfer (BVBT), über die jüngst erschienene IAB-Studie mit dem Titel „Transfergesellschaften haben langfristig einen positiven Beschäftigungseffekt“.
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hatte für die Studie administrative Informationen zur Teilnahme von Menschen in Transfergesellschaften – rund 87.000 Personen – von 2013 bis 2016 und die so genannten Integrierten Erwerbsbiografien des IAB, die individuelle Erwerbs- und Lohnverläufe für alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten enthalten, verknüpft.
Zentrales Ergebnis: Fünf Jahre nach dem Jobverlust ist die Beschäftigungswahrscheinlichkeit der Teilnehmenden um etwa vier Prozentpunkte höher als bei vergleichbaren Beschäftigten ohne Zugang zu einer Transfergesellschaft. „Der Effekt auf die Beschäftigung ist mit etwa vier Prozentpunkten weder vernachlässigbar noch massiv“, schlussfolgert das Nürnberger Institut.
Transfergesellschaft erhöht mittelfristig Beschäftigungswahrscheinlichkeit
„Es lohnt sich wirklich, das ganze Papier zu lesen“, betont BVTB-Vorstandsmitglied Margrit Herrmann: „Viele Vorurteile gegenüber dem Beschäftigtentransfer, die wir immer wieder von Politik, Wirtschaft und Bundesagentur für Arbeit hören, werden endlich widerlegt.“ Schwarz auf Weiß stehe dort, was der BVTB schon lange betont: „Transfergesellschaften erhöhen mittelfristig die Beschäftigungswahrscheinlichkeit der Beschäftigten, die betriebsbedingt entlassen wurden, indem sie deren Verbleib im Arbeitsmarkt unterstützen.“
Dabei mache laut den IAB-Experten auch der Inhalt der jeweiligen Maßnahmen einen großen Unterschied. So habe die Unterstützung bei der Jobsuche einen kleineren Effekt mit ein bis zwei Prozentpunkten als zum Beispiel Qualifizierungsmaßnahmen mit langfristig bis zu rund sieben Prozentpunkten.
Wer den Übergang gestaltet, kann Perspektiven schaffen
Die Ergebnisse der Studie deuten laut IAB in der Gesamtheit darauf hin, dass der Mix von aktiven Maßnahmen, also zum Beispiel von Qualifizierungsmaßnahmen und Vermittlungsberatung, mit dem passiven Element der verlängerten Bezugsdauer langfristig insgesamt zu einer etwas höheren Beschäftigung führt.
Berücksichtige man zudem den finanziellen Vorteil, den Transfergesellschaften gegenüber dem bloßen Bezug von Arbeitslosengeld haben, so werden Teilnehmende in Transfergesellschaften unterm Strich stärker als Personen der Studien-Kontrollgruppe für die Kosten des Jobverlusts entschädigt, ohne dass dies zugleich ihre Beschäftigungschancen einschränkt.
„Die zentrale Botschaft der Studie lautet für uns als Verband“, so Margrit Herrmann: „Wer den Übergang gestaltet, kann Perspektiven schaffen, auch wenn sich deren Wirkung erst später zeigt.“ Transfergesellschaften würden langfristig positive Beschäftigungseffekte und tragfähige Perspektiven für Menschen im Stellenabbau erzielen: „Weil Transfergesellschaften finanzielle Absicherung mit Beratung, Vermittlung und Qualifizierung verbinden, wodurch Raum für berufliche Neuorientierung entsteht, statt möglichst schnell irgendeine Anschlusslösung finden zu müssen.“
Was ist eine Transfergesellschaft?
Transfergesellschaften sind in den vergangenen Jahrzehnten auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu unverzichtbaren Dienstleistern geworden. In enger Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit helfen sie Unternehmen bei einem sozialverträglichen Arbeitsplatzabbau und den betroffenen Beschäftigten im Vermittlungsprozess und bei der beruflichen Neuorientierung. Während der Zeit in der Gesellschaft befinden sich die Menschen im Bezug von Transferkurzarbeitergeld. Die Beraterinnen und Berater der Transfergesellschaften haben die Aufgabe, diesen Transferprozess durch Qualifizierungsangebote, intensive Gespräche zur Neupositionierung am Arbeitsmarkt und gezielte Vermittlungsangebote zu strukturieren.
Der BVTB
Der Bundesverband der Träger im Beschäftigtentransfer e.V. (BVTB) fordert und fördert den Einsatz bewährter Instrumente des Beschäftigtentransfers bei notwendigen Personalanpassungen. Er unterstützt als Verband und Netzwerk von aktuell 18 Mitgliedsunternehmen die Weiterentwicklung des Beschäftigtentransfers und fördert Austausch und Dialog zwischen Unternehmen, Institutionen und Öffentlichkeit. Der BVTB setzt sich dafür ein, die Qualität und die Transparenz des Transfers von Beschäftigten zu gewährleisten und Standards für die Beratung sowie die Projektsteuerung und -abwicklung zu erarbeiten.