BVTB erwartet von „AG Arbeit und Soziales“ mehr Einsatz für Beschäftigtentransfer
Künftige Koalition sollte das Instrument beim Thema Transformation der Wirtschaft in Fokus rücken
„Alle Register“ will die künftige Koalition in Berlin laut durchgesickertem Papier der „AG Arbeit und Soziales“ ziehen, damit die Fachkräftesicherung in den nächsten Jahren gelingt. Erfreut über die Absicht zeigt sich der BVTB. Doch ein Blick in das zehnseitige Papier relativiert das Versprechen aus Sicht des Verbandes.
„Wir erwarten, dass die Regierung aus CDU/CSU und SPD dabei auch den Beschäftigtentransfer mit einbezieht“, kommentiert BVTB-Vorsitzender Frank Müller die Tatsache, dass die Transfergesellschaft nur einmal im Text auftaucht.
„Im Zusammenhang mit den zu erwartenden disruptiven Veränderungen durch die Transformation unserer Wirtschaft und den demografischen Wandel wird dieses Instrument noch immer viel zu selten in der Breite genutzt und beworben“, mahnt er die Koalitionäre in spe.
Die Argumente liegen für Frank Müller auf der Hand: So würden notwendige Übergänge in zukunftsfähige Branchen häufig komplexes Vorgehen in Bezug auf Matching und Qualifizierung erfordern: „Das erreichen wir nur durch eine hohe Intensität und Qualität in der Begleitung und Beratung der betroffenen Personen.“
Ein intensiver Dialog mit aufnehmenden Unternehmen unterstütze diese Vorgehensweisen, wie der BVTB-Vorsitzende erklärt, er nennt beispielhaft Methoden wie adaptives Lernen, maßgeschneidertes Upskilling oder Training on the job. Aus der Erfahrung wisse man auch: Der Abbau von meist vielfältigen Lernhemmnissen kann vor allem bei bildungsfernen Personen nachhaltig vorhandene Ressourcen und Potenziale für den Fachkräftebedarf erschließen. „Und all diese Leistungen erbringen Transfergesellschaften, zu zwei Dritteln finanziert durch die abgebenden Unternehmen“, so der BVTB-Vorsitzende.
Die 18 Mitglieder des Bundesverbandes der Träger im Beschäftigtentransfer gehen daher davon aus, dass die Politik künftig die Instrumente des Beschäftigtentransfers mehr in den Fokus rückt – also dafür Sorge trägt,
- dass auch für Beschäftigte in Transfergesellschaften nicht mehr den Vorrang „Vermittlung vor Qualifizierung“ aufrechterhalten wird,
- die Weiterbildungsförderung auch für Transfergesellschaften weiterentwickelt und vereinfacht wird – zum Beispiel Abschaffung von Fristenregelungen, keine Notwendigkeit von AZAV-Zertifizierungen und Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Förderinstrumentarien,
- gegebenenfalls analog zu den übrigen Bereichen Anreize für Weiterbildung und Qualifizierung geschaffen werden,
- auch hier das Prinzip „Leistungen und Beratung aus einer Hand“ gilt und, dass die Kommunikation mit der Agentur für Arbeit auf einem zeitgemäßen Niveau digitalisiert wird, um Bürokratie abzubauen und Parallelprozesse zu vermeiden.
Instrumente des Beschäftigtentransfers weiterentwickeln
Der Bundesverband wurde 2007 gegründet und hat es sich seither zum Ziel gesetzt, die verschiedenen Instrumente des Beschäftigtentransfers weiterzuentwickeln, ihren Einsatz zu fördern und in der Öffentlichkeit kompetent zu vertreten. Der BVTB hat mittlerweile 18 Mitglieder, die rund 75 Prozent des Marktes abdecken. Der Verband wird durch einen rein ehrenamtlichen Vorstand vertreten, der aus vier Geschäftsführenden verschiedener Mitglieder besteht.